Raum für Psychosynthese

„Ich bin nicht das, was mir passiert ist. Ich bin das, was ich entscheide zu werden.“ C. G. Jung

Symbolische Handlungen


Manchmal sitzt ein Thema so tief, dass es den Klienten immer wieder einholt. Oder die Methoden der Psychosynthese sind nicht das passende Werkzeug, um ein Thema anzugehen. Dann kann eine andere Form der Begleitung helfen – die Arbeit über eine symbolische Handlung.

Hierfür ein Beispiel:

Meine Klientin Frau M. hatte ihre sechs Jahre ältere Schwester schon mit 12 Jahren durch einen Autounfall verloren. Die Beziehung der beiden und ihre Gefühle zu einander waren – vorsichtig ausgedrückt – nicht die besten, und somit hatte es durch den frühen Tod nie zu einer Aussöhnung kommen können. Viele Jahre spielte dieser Umstand im Leben von Frau M. keine große Rolle. Doch nach dem sie im mittleren Alter begonnen hatte, an ihrer persönlichen Entwicklung zu arbeiten und einschränkende Handlungsmuster, Glaubenssätze usw. aufzulösen, wurde ihr das Ausmaß ihrer Trauer über die fehlende Aussöhnung bewusst. Ihre Sehnsucht, diese seelische Wunde zu schließen, mit ihrer Schwester Frieden zu finden, wurde immer drängender und dringlicher. Doch sie wusste nicht wie…

Als Frau M. mir hiervon erzählte, entstand in mir die Idee, mit ihr den Weg einer „symbolischen Handlung“ zu gehen: In einem ersten Termin klärten Frau M. und ich ihre konkreten Wünsche und Hoffnungen, so dass wir in unserer nächsten Stunde direkt beginnen konnten. Dazu hatte ich Fr. M. gebeten, eine Kerze und ein Foto ihrer Schwester mitzubringen. Nach einer kurzen Eingangsbesinnung führte ich Frau M. mit Hilfe einer Fantasiereise zu einem in ihr liegenden „sicheren Ort“. 

Anschließend begann die eigentliche Arbeit. Frau M. sprach ihre Schwester über das Foto direkt an, schilderte ihr ihre Gedanken, Gefühle, Wünsche und Hoffnungen und schrieb dann dazu je ein Erinnerungswort oder malte ein Symbol auf die Kerze. Schon im Laufe dieser Handlung entspannte sich Frau M. sichtlich und Tränen der Erleichterung und der Berührtheit begannen zu fließen.

Nachdem die Kerze im nächsten Schritt von Frau M. entzündet wurde, reiste sie – sanft geführt - erneut an ihren „sicheren Ort“. Dort angekommen lud sie ihre Schwester ein, sich – wann immer diese möchte – mit ihr zu treffen oder sich auch alleine dort aufzuhalten und die Ruhe und Geborgenheit dieses Ortes zu genießen.

Frau M. hatte es geschafft, über symbolische Handlungen und innere Bilder Frieden zu finden und sich gedanklich und gefühlsmäßig mit ihrer Schwester auszusöhnen. Und darum geht es.